Sitzmanns, 1984
In unserer Stube gibt es einen Tram. Beim großen Umbau im Jahr 1985 wurde dieser etwas gekürzt wieder eingebaut. Mein Vater hat ihn über die Universität Salzburg auf seine Jahresringe untersuchen lassen. Das Ergebnis: Der Tram stammt aus dem Jahr 1634.
Die Stube von außen, 1984
Hier startet die Geschichte des Vierseithofes — mitten im 30-jährigen Krieg, oder wie es mein Vater in der Schule gelernt hat: den Schwedenkriegen. In dieser Zeit versuchten sich die Schweden das Waldviertel unter den Nagel zu reißen, und viele Häuser wurden niedergebrannt. Es ist also davon auszugehen, dass der Bereich der Stube in dieser Zeit wieder neu aufgebaut wurde. Die teils mehr als 60 cm dicken Steinmauern rund um die Schlafräume könnten jedoch noch älter sein.
Im Hof gibt es oberhalb der Laube einen weiteren Tram, auf dem das Jahr 1871 verzeichnet ist. Dieser Trakt wurde Ende des 19. Jahrhunderts neu erbaut.
Der Hof ist ein sogenannter Vierseithof. Es handelt sich dabei um einen Gebäudekomplex, der nicht komplett geschlossen ist, wie man es vom Vierkanthof kennt. Es sind eher mehrere Gebäude, die sich rund um den Hof anordnen — meistens gibt es auch eine Scheune, die angrenzt. Diese Scheune wurde Ende der 1990er-Jahre aufgrund des schlechten Zustands entfernt.
Ende 1984 entschieden sich meine Eltern, in der Heimat meines Vaters einen alten Hof zu kaufen. Bei der Besichtigung konnte der Schlüssel für manche Räume nicht gefunden werden, aber sie verliebten sich sofort in den Ort und das Gebäude und sahen das große Potenzial. Das Dach war mit Stroh gedeckt, die Wände um die Stube waren alte Lehmwände, mit Weidengerüst bewehrt.
Der Grund für den fehlenden Schlüssel war ein eingestürztes Dach hinter der Türe — aber meine Eltern waren sich zu dem Zeitpunkt schon sicher, dass dieser Ort einmal etwas ganz Besonderes werden würde, und ließen sich durch nichts davon abbringen.
Sommer 1985 – mitten im Umbau
Hochschwanger machte meine Mama auf ihre unvergleichliche, liebevolle, aber bestimmte Art die Bauleitung des großen ersten Umbaus. Die alten Lehmwände mussten leider neuen Ziegelwändern weichen — zwischendrin stand im vorderen Bereich nur noch der Schornstein. Die Fenster wurden wieder als Kastenfenster eingebaut. Das Ziel war es immer, möglichst nah am Original zu bleiben.
Nach dem ersten großen Umbau, 1985
Peter beim Umbau
Ab diesem Zeitpunkt wurden alle Sommer in das Restaurieren des Hofes gesteckt. Für uns Kinder immer ein Highlight — und vielleicht mit ein Grund, warum ich später Architektin geworden bin.
Erst als ich 13 Jahre alt war, konnten wir das erste Mal dort übernachten. Davor durften wir immer bei den Großeltern im benachbarten Ort unterkommen. Alles, was in diesem Haus gemacht wurde, trägt die Handschrift meiner Eltern. Die Möbel sind teils aus Familienbesitz, teils von Altwarenhändlern. Das Klavier erinnert an die musische Tradition in der Familie.
2019 haben mein Mann und ich das Haus übernommen, und seit 2020 laufen kleine Füße von mittlerweile drei Kindern durchs Haus. Die Spuren der kleinen Künstler findet man auch an manchen Stellen im Haus.
Für uns fünf ist das Haus und das gesamte Waldviertel ein Sehnsuchtsort. Wir lieben es, unsere freie Zeit hier zu verbringen, die Türen zum Hof zu öffnen und die Kinder einfach tun zu lassen. Sei es die Begutachtung der Steinhaufen im Hof, Schaukeln bei der Sauna, ein Spaziergang im Wald oder ein Feuer hinter dem Haus. Hier fällt es leicht, kreativ zu sein, sich zu bewegen, sich zu erholen und zu genießen.
Wir wünschen uns für unsere Gäste genau dieses Gefühl: Einfach angekommen zu sein.
Eure Judith
Peter an der Universität
Peter war Professor für Genetik. Er war ein Familienmensch, ein geborener Gastgeber, ein Mensch mit einem offenen Ohr, ein Urwaldviertler — und für mich war er einfach mein Papa.
Wenn ich an ihn denke, denke ich an die vielen Barfußwanderungen durch die Wälder rund um Sitzmanns, an Kneippbäder in der Zwettl, an seinen Schweinsbraten oder die Schmankerl, die er aus Schwammerln und Heidelbeeren gezaubert hat, die wir selbst gesammelt haben. Ich denke an Grillabende, Singen am Feuer, an die Umarmungen, die mir als Kind so gut getan haben, und an das immense Wissen, das er immer gerne mit allen geteilt hat.
Mit Papa im Baum – Waldviertel
Seine Tür stand immer allen offen. Er hatte ein offenes Ohr für Familie, Freunde, Studenten — für alle, die ihm wichtig waren.
Peter, 1956
Meine Mama hat ihn, der 1954 im Nachbarort von Sitzmanns auf die Welt gekommen ist, immer liebevoll „Waldviertler Bua" genannt. Das Waldviertel konnte ihm auch auf den Reisen in der ganzen Welt niemand nehmen. Seine Bodenständigkeit, seine Ehrlichkeit, seine Güte — sie leben alle in dem alten Hof weiter. Der Hof ist auch ein bisschen wie eine Umarmung. Hier kann man kürzer treten, den Alltag hinter sich lassen. Hier fühlt man sich geschützt. Hier ist man angekommen.
Wir sind Judith und Sönke Eckl-Henningsen. Seit 2018 gehen wir gemeinsam durch die Welt, seit 2020 haben wir unsere Familie sukzessive auf insgesamt fünf Familienmitglieder erweitert und zeigen unseren Kindern seitdem unsere Sicht auf die Welt.
Als Berater im Bereich Nachhaltigkeit hat Sönke einen besonderen Fokus auf ein bewusstes Leben und den bewussten Umgang mit Ressourcen. Judith ist Architektin — vielleicht wurde ihr dieser Beruf durch das Haus in die Wiege gelegt — und interessiert sich besonders für Bestandssanierungen und dafür, wie man mit kleinen Eingriffen besondere Orte schaffen kann.
Nun haben wir uns entschieden, unser kleines Paradies mit euch zu teilen. Wir hoffen, dass ihr dasselbe wunderbare Gefühl habt, wenn ihr die Tür zum Innenhof aufmacht, wie wir — und dass ihr euch einfach nur wohl fühlt.
Alles Liebe, Judith und Sönke
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